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Buchkritik: “Gefühle brauchen Gefühle” von Arthur Pahl

Es ist schon eine ganze Weile her, als uns der aus Würzburg stammende Arthur Pahl im TV touring Sendestudio Würzburg besucht hat, um bei Maria Saemann in der Sendung “Menschen” sein Buch “Verschlungene Wege” vorzustellen:

Manchmal bewegend, manchmal komisch und manchmal auch traurig, schilderte Pahl dort seine Erlebnisse als Reiseleiter für Pilgergruppen quer durch Europa. Dem Erstling folgte kurze Zeit später mit “Himmlische Pfade” ein weiteres Buch, das dritte Buch ist dieser Tag erschienen: “Gefühle brauchen Gefühle – Geschichten und Begegnungen aus unserer Zeit”.

Etwas mehr als 140 Seiten stark wirkte das ausschließlich als E-Book für den Kindle von Amazon erhältliche Buch für mich zuerst einmal fast unfertig. Ein Eindruck der allerdings täuschte – und selbst wenn er es nicht getan hätte, sind alle Geschichten so ineinander geschlossen, dass Unfertigkeit auch nicht weiter schlimm gewesen wäre. Letztlich ist dieser erste Eindruck aber schon allein deshalb falsch, weil ich glaube das “Gefühle brauchen Gefühle” so etwas wie eine wichtige Verbindung sein dürfte, zwischen Pahls ersten beiden Büchern und seinem aktuellem, größerem Projekt “Der Seiltänzer” – worauf man schon gespannt sein darf.

Dann, so verspricht der Autor, wird auch die Geschichte “Facebook – Nur die Liebe zählt” noch einmal ausführlicher gewürdigt werden. Eine Geschichte, hätte sie mir Arthur Pahl nicht selbst erzählt, die eher aus der Feder eines Romanciers stammen sollte. Klingt diese Geschichte doch irgendwie nach einer Erzählung die auf wahren Begebenheiten beruht, ganz genau so aber eben doch nicht passiert ist. Es ist die Geschichte zweier Liebenden, die vor Jahrzehnten gewaltsam in Kolumbien voneinander getrennt wurden und sich dank des Sozialen Netzwerkes Facebook wieder gefunden haben. Es ist aber auch in anderer Weise eine ganz persönliche Geschichte, denn nicht nur an den überschwänglichen Gefühlen von Liebe und Zuneigung lässt der Autor den Leser teilhaben, sondern auch am Zweifel, am schlechten Gewissen oder an jene oft unbegründbare Angst, die uns nicht selten dazu bringt aus Furcht vom richtigen Weg abzuweichen.

Es sind manch ehrliche Geschichten, die der Leser hier vorfindet, tagebuchartige Geschichten – nicht nur im Tagebuch, das Arthur Pahl während seines Klosteraufenthaltes schrieb und in “Gefühle brauchen Gefühle” einfügte. Ein Klosteraufenthalt weit weg vom Wellnessverdacht oder dem per Prospekt garantierten spirituellen Impuls. Was Pahl offen beschreibt ist ein Klosterbesuch, der der Arbeit dient – aber nicht nur der Arbeit im Klostergarten, sondern auch der Arbeit an sich selbst. Kein schlechtes Beispiel das er dabei abgibt, auch wenn freilich nicht jeder gleich denselben Weg wie er beschreiten muss.

Natürlich gibt es unter den insgesamt sechs Geschichten, von denen das Klostertagebuch den meisten Raum einnimmt, auch ein oder zwei (eigentlich buchstäblich, ein oder zwei) schwächere Geschichten. Aber insgesamt kann man das mehr als verschmerzen, den insgesamt ist “Gefühle brauchen Gefühle” ein sehr schönes Buch. Irgendwie schade, dass man E-Books nicht unter den Weihnachtsbaum legen kann …




Buchkritik: „Das Caffeehaus“ von Roman Rausch

Die Würzburger Residenz, Lebenswerk von Balthasar Neumann.

Aus dem Harem des Wesirs von Belgrad hat es Sabiha ins fürstbischöfliche Würzburg verschlagen. Doch damit ist natürlich für die orientalische Schöne längst nicht alles in Butter, freundlich von einem Landsmann aufgenommen, wird sie kurz darauf als dessen Mörderin falsch verdächtigt und  ins Gefängnis geworfen …

In Roman Rausch’ ersten Historienroman „Das Caffeehaus“ kann der Leser Sabiha durch ihr Auf und Ab begleiten, stets verknüpft mit dem Schicksal von Balthasar Neumann und dessen Lebenswerk der Würzburger Residenz. Rausch’ Erstling im neuen Genre ist bis in kleine Details recherchiert und zeitweise eine Lehrstunde in Würzburger Geschichte und auch in der Geschichte des Kaffees. Leider geht derartige Wissensweitergabe nicht selten zu Lasten der Spannung. Für Geschichtsfans oft ein Leckerbissen, für Leser die der Story und den Figuren wegen zum Buch gegriffen haben, eher ein Grund für intensiveres Querlesen.

Bei den Figuren bleibt Roman Rausch ein Krimiautor durch und durch. Die historisch verbürgten Figuren werden eher beschrieben, als lebendig dargestellt und die erfundenen Nebenfiguren bleiben plakativ. Eigentlich schaden, denn so stark wie Rausch die Leben von Sabiha und Balthasar Neumann verknüpft, hätte man eigentlich erhofft einen literarischen Baumeister kennen zu lernen, der über den historischen Neumann hinaus geht.

Einzig seine Hauptfigur Sabiha sticht hervor, ihr Charakter ist gut gezeichnet und von Zeit zu Zeit hat der Leser den Eindruck selbst ins Innenleben der Frau hinein zu blicken, die er doch durch Jahre hinweg bei ihren Schicksalsschlägen begleitet. Bei dem doch recht offenen Ende kann übrigens gehofft werden, dass in einem zweiten Roman noch ein paar Jahre dran gehängt werden.

Mit seinen Kommissar Kilian-Krimis hat sich Roman Rausch einen guten Namen gemacht, wahrscheinlich kommt deshalb auch „Das Caffeehaus“ um das eigentliche Dilemma dieses Erstlings herum. Denn für Liebhaber von historischen Romanen hat das Buch einige Schwächen, für Leser, die nicht so sehr Historienromane mögen, ist er dagegen zu historisch und deshalb wenig lebendig.




main:lese, zu Gast: Rosi Wanner

In main:lese spreche ich mit der Kinderbuchautorin Rosi Wanner. Die gebürtige Düsseldorferin lebt jetzt mit ihrer Familie in Kürnach.

Bislang hat sie drei Bücher für Kinder ab acht Jahren geschrieben. Spannende Kriminal- und Detektivgeschichten aus Versbach, die auch erwachsene Leser fesseln. Inspiriert durch die Lesebegeisterung ihres Sohnes erzählt Rosi Wanner mit lebendiger Sprache.

Der erste Band heißt “Der Dieb im Schrebergarten”. Eine spannende Geschichte rund um die Karottenbande, in der die Kinder Flocke, Lucy, Mika, Paula und der  Berner Sennenhund Pfote in den Sommerferien in einer Blockhütte in einem Schrebergarten in Versbach übernachten und dabei ihr erstes großes Abenteuer erleben.




Würzburger Autor experimentiert im Netz

Einen Roman in kleinen Häppchen zu veröffentlichen war einst die Spezialität zum Beispiel von Charles Dickens. Vor ein paar Jahren hat es auch Stephen King noch Mal versucht, aber seit dem ist diese Veröffentlichungsform aus der Mode geraten, zu Unrecht vielleicht.

Seit Anfang des Jahres veröffentlich der in Würzburg lebende Autor Marc Bensch, eigentlich ja Benjamin Schieler, auf seiner Webseite unter www.buchbensch.de seinen Roman „Der vorsätzlich Handelnde“ in solchen Häppchen. Damit will er nicht nur dem Nachteil des online lesen entgegenwirken, sondern auch unserer hektischen Zeit Tribut zollen. Jeden Tag ein bisschen lesen, soviel Zeit muss doch sein.

Sprache als Zweck zur Selbstdarstellung

Marc Bensch vor dem nebligen Würzburg (Foto: Marc Bensch).

Im Mittelpunkt des Romans steht ein namenloser Journalist und Hobbytennisspieler, der in einer schlaflosen Weihnachtsnacht beschließt schon im nächsten Jahr mal kurzerhand des renommierteste Tennisturnier der Welt zu gewinnen. Gesagt getan, schon am nächsten Tag entledigt er sich seines Jobs und nimmt die irgendwie zwischen monströs und arrogant wirkende Aufgabe in Angriff. Über das Ende verrät der Autor natürlich noch nichts, aber sollte es der namenlosen Hauptfigur gelingen, in unserer heutigen Medienwelt würde aus ihm sicher ein medialer Held werden. Doch genau auf dieses Spiel des medialen Heldentums will Bensch in seinem Roman heraus, als Protest dagegen hat nicht nur die Hauptfigur keinen Namen. Niemand in diesem Roman hat einen Namen, ist eindeutig identifizierbar in einer Welt, und niemand spricht während der Geschichte. Auch der Verzicht auf Dialoge zwischen den Figuren ist bewusst gewählt. „Ein gutes Gespräch ist selten geworden,“ so der Autor, und in einer Ellbogengesellschaft dient die Sprache auch oft genug nur einem Zweck, der Selbstdarstellung.

„Internet-Experiment eines mehrfach Abgelehnten“

In der jetzigen Form wird „Der vorsätzlich Handelnde“ aber natürlich auch deshalb veröffentlicht, weil Verlage zuvor knapp zwei Dutzend Mal abgewinkt haben. „Internet-Experiment eines mehrfach Abgelehnten“ hieß es dann auch von Seiten des Autors. Die Möglichkeit mit der Geschichte Geld zu verdienen, habe er dann auch abgeschrieben. Bensch schlug also auch nicht den Alternativweg ein sein Buch zum Beispiel mittels eines Book-on-Demand-Angebotes selbst zu verlegen oder auch den Download auf seiner Webseite kostenpflichtig zu machen.

Es geht ihm darum den Roman möglichst vielen zur Verfügung zu stellen, um auch möglichst viele Rückmeldungen zu bekommen. Im Hinterkopf mag dabei dann aber auch mitspielen, bei Erfolg bekannt genug zu werden, um für das nächste Buchprojekt doch einen Verlag zu finden, damit dieses dann auf traditionelle Art veröffentlicht werden kann. „In gewisser Weise bin ich also auch ein Selbstdarsteller.“, so Bensch.




main:lese zu Gast: Christian Kelle

In dieser Folge von main:lese habe ich Filmemacher und Drehbuchautor Christian Kelle im Weinberg getroffen. Anlass war die nahende Premiere seines Krimis „Tod im Wengert“. Dabei hat er dann auch über seine ersten literarischen Gehversuche, den Unterschied zwischen Bücher schreiben und  Filme machen und seine Inspirationsquellen gesprochen.

mainlese

Geboren wurde Christian Kelle am 5. August 1963 in Würzburg und gleich danach in Rimpar “assimiliert”Er bezeichnet sich selbst eher ironisch als “Cosmopolit”, der sein Leben nicht nur im Vorort Rimpar verbringt, sondern durchaus auch Beziehungen zur “großen Stadt Würzburg” pflegt.

Bekannt ist Christian Kelle vor allem als einer der Köpfe hinter Radio Rimpar, die Filmemacher aus Mainfranken bringen am 15. Januar mit „Dadord Würzburch – Tod im Wengert“ ihren nächsten Würzburgkrimi auf die Leinwand.




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