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Würzburger Autor experimentiert im Netz

Einen Roman in kleinen Häppchen zu veröffentlichen war einst die Spezialität zum Beispiel von Charles Dickens. Vor ein paar Jahren hat es auch Stephen King noch Mal versucht, aber seit dem ist diese Veröffentlichungsform aus der Mode geraten, zu Unrecht vielleicht.

Seit Anfang des Jahres veröffentlich der in Würzburg lebende Autor Marc Bensch, eigentlich ja Benjamin Schieler, auf seiner Webseite unter www.buchbensch.de seinen Roman „Der vorsätzlich Handelnde“ in solchen Häppchen. Damit will er nicht nur dem Nachteil des online lesen entgegenwirken, sondern auch unserer hektischen Zeit Tribut zollen. Jeden Tag ein bisschen lesen, soviel Zeit muss doch sein.

Sprache als Zweck zur Selbstdarstellung

Marc Bensch vor dem nebligen Würzburg (Foto: Marc Bensch).

Im Mittelpunkt des Romans steht ein namenloser Journalist und Hobbytennisspieler, der in einer schlaflosen Weihnachtsnacht beschließt schon im nächsten Jahr mal kurzerhand des renommierteste Tennisturnier der Welt zu gewinnen. Gesagt getan, schon am nächsten Tag entledigt er sich seines Jobs und nimmt die irgendwie zwischen monströs und arrogant wirkende Aufgabe in Angriff. Über das Ende verrät der Autor natürlich noch nichts, aber sollte es der namenlosen Hauptfigur gelingen, in unserer heutigen Medienwelt würde aus ihm sicher ein medialer Held werden. Doch genau auf dieses Spiel des medialen Heldentums will Bensch in seinem Roman heraus, als Protest dagegen hat nicht nur die Hauptfigur keinen Namen. Niemand in diesem Roman hat einen Namen, ist eindeutig identifizierbar in einer Welt, und niemand spricht während der Geschichte. Auch der Verzicht auf Dialoge zwischen den Figuren ist bewusst gewählt. „Ein gutes Gespräch ist selten geworden,“ so der Autor, und in einer Ellbogengesellschaft dient die Sprache auch oft genug nur einem Zweck, der Selbstdarstellung.

„Internet-Experiment eines mehrfach Abgelehnten“

In der jetzigen Form wird „Der vorsätzlich Handelnde“ aber natürlich auch deshalb veröffentlicht, weil Verlage zuvor knapp zwei Dutzend Mal abgewinkt haben. „Internet-Experiment eines mehrfach Abgelehnten“ hieß es dann auch von Seiten des Autors. Die Möglichkeit mit der Geschichte Geld zu verdienen, habe er dann auch abgeschrieben. Bensch schlug also auch nicht den Alternativweg ein sein Buch zum Beispiel mittels eines Book-on-Demand-Angebotes selbst zu verlegen oder auch den Download auf seiner Webseite kostenpflichtig zu machen.

Es geht ihm darum den Roman möglichst vielen zur Verfügung zu stellen, um auch möglichst viele Rückmeldungen zu bekommen. Im Hinterkopf mag dabei dann aber auch mitspielen, bei Erfolg bekannt genug zu werden, um für das nächste Buchprojekt doch einen Verlag zu finden, damit dieses dann auf traditionelle Art veröffentlicht werden kann. „In gewisser Weise bin ich also auch ein Selbstdarsteller.“, so Bensch.

2 Antworten auf “Würzburger Autor experimentiert im Netz”

  1. [...] regionale Fernsehsender TV Touring berichtet in seinem Blog über mein Projekt. Außerdem gibt es seit geraumer Zeit eine Facebook-Gruppe zum Vorsätzlich [...]

  2. Eine spannende Geschichte. Gute Idee. Sind wir nicht alle ein wenig “Selbstdarsteller” ?

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